Hey-ho 2017, you sexy beast!

Am 4. Januar seinen Senf zum neuen Jahr zu geben ist annähernd so originell wie Merkel-bashing im Zuge der Flüchtlingskrise (when in doubt, just blame it on Angie – irgendwie hat die an allem schuld). Oder Mallorca zu seinem Lieblingsurlaubsziel auserkoren – ja, ich weiß, es gibt da total viele geheime Ecken, Traumstrände wie in der Karibik, jungfräulich und unberührt von den zigtausend anderen Teutonen, die jedes Jahr im 17. Bundesland einfallen. Kurzum: origineller geht immer. (Und ja, ich war schon einige Male auf Malle.)

In meinem Instagram-Feed überschlagen sich die Fashion-Ikonen aka Modeblogger seit Jahresbeginn mit klugen, pseudo-weisen Sprüchen à la “365 days – 365 new chances” oder “All we have is now”. Ganz ehrlich: diesen Carpe Diem bullshit braucht kein Schwein, da es letzten Endes nichts anderes versinnbildlicht als unseren pathologischen Optimierungswahn. Es gibt einfach Tage, da will es einfach partout nicht flutschen, und da ist es wirklich wenig zielführend, eine Umkehr der negativen Ereigniskette zu erzwingen.

Einer der wirklich wenigen sinnstiftenden Sinnsprüche, den ich zu meinem persönlichen Leitspruch für 2017 bestimmt habe, ist im obigen Bild enthalten. Es geht nicht primär darum, Manager-like Meilensteine zu definieren und dahingehend Erfolg am Ende des Jahres zu quantifizieren. Ich will damit keineswegs sportliche Höchstleistungsziele oder berufliches Weiterkommen in Abrede stellen – Ehrgeiz in Maßen ist zweifelsohne wichtig, auch fürs Selbstwertgefühl. Aber leider belassen es die meisten Menschen hierbei, gerade in so einer von Erfolg und Statussymbolen getriebenen Stadt wie München – die Menschlichkeit bleibt da allzu oft auf der Strecke.

“Herrje”, werden sich die meisten jetzt denken, “was will die Alte eigentlich?” Menschlichkeit lässt sich wahrhaft nicht quantifizieren, aber am Ende eines Jahres lässt sich vielleicht ganz gut Resümee ziehen. Bin ich meinen Wertvorstellungen treu geblieben, umgebe ich mich mit Menschen, die mir gut tun? Ich persönlich habe für mich entschieden, dass ich mich 2017 nicht mehr mit sogenannten “takers” umgeben, sprich Menschen, die vampirähnlich Energie aus dir raussaugen und außerstande sind, uneigennützig dir was zu geben.

Fazit: toss out the takers and take in the givers! Im Zuge dessen lohnt es sich, das Augenmerk auf die eigene Person zu lenken: was habe ich anderen geben können, innerhalb der Familie und Freunden? Wohlgemerkt: keiner von uns ist Mutter Theresa, und das soll auch so bleiben!

Zu guter letzt möchte ich meiner illustren Leserschaft noch eine besondere literarische Perle ans Herz legen, und zwar Catharina von Goethes “Rezept für das neue Jahr”, das nichts von seiner Brisanz verloren hat. Happy New Year, y’all!

Man nehme 12 Monate,
putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz,
Pedanterie und Angst,
zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile,
so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.
Es wird jeden Tag einzeln angerichtet
aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,
einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie
und eine Prise Takt.
Dann wird die Masse reichlich mit Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen
kleiner Aufmerksamkeiten und
serviere es täglich mit Heiterkeit.

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