Less is more

Less-is-more

Less is more – story of my life, more or less. „Story of your blog“, würde meine kleine, aber feine, illustre Leserschaft in Hinblick auf die sich ausdünnende Frequenz der Blogbeiträge hier spitz anmerken – ich gelobe Besserung im neuen Jahr, stay tuned!

Vorneweg: das hier ist KEINE Anleitung zum mega-hippen „De-cluttering“ à la Marie Condo, zumal ich auch eiserne Verfechterin des kreativen Chaos‘ bin.

Ich sitze ja bekanntlich kulturell zwischen zwei Stühlen, bemüht in meinem täglichen Streben, so wenig wie möglich in potentielle Fettnäpfchen zu treten. Hierbei lassen sich faszinierende Beobachtungen machen, frei nach dem Motto: „Gottes Tierreich ist groß“. Nobody’s perfect – ja, selbst die Deutschen nicht – jeder schlägt dank seiner kulturellen Prägung über die Stränge. Und vergisst ganz nebenbei: less is indeed more.

„Joa mei, wos hoast denn Du um an Hals hänga – des schaugt ja aus wia Rufumleitung!“, meinte jüngst eine Person aus meinem entfernteren Umfeld zu meiner U-förmigen Halskette kommentieren zu müssen. Normalerweise selten um eine schlagfertige Antwort verlegen, konterte ich (für meine Verhältnisse ziemlich lahm) “ das ist eine Halskette“ und ging leicht verdattert meines Weges. Und ärgerte mich im Nachhinein über mich selbst.

Abgesehen davon, dass ich kein Fan des unnachahmlichen, bayrischen Charmes bin, schätze ich unaufgeforderte, negative Kommentare zu meinem Äußeren überhaupt nicht. Immer und immer wieder in Deutschland erlebt, und nirgendwo sonst – ähnlich überflüssig wie Dieter Bohlen. Interessant auch, dass derart spitzzüngige Bemerkungen oft von Personen kommen, die das Wort „Vogue“ noch nicht mal richtig aussprechen können (Anm. d. Red.: es handelt sich hierbei um eine Modezeitschrift/Stilbibel aus dem Hause Condé Nast). Less wäre in der Tat wirklich more gewesen. Dafür habe ich im genannten Fall auf das „More“ mit „Less“ reagiert, und mich in nobler britischer Zurückhaltung geübt. Call it a key strength.

 

office-christmas-stories-bj-600x328

Quelle: rainforestislandsferry.com

Key strength? Britische Contenance? Oops, da war doch was – Christmas the British way, Kitsch so weit das Auge blicken kann, knappe Cocktailfähnchen, die jeden Priester den Zölibatsbruch in Erwägung ziehen lassen, Alkoholexzesse bis zum Abwinken auf Firmenweihnachtsfeiern, und und und. After all,  it’s baby Jesus‘ birthday party, let’s knock back the bubbly – ich finde jedoch: no need to go over the top! Da lob‘ ich mir doch die besinnliche deutsche Adventszeit, wo man sich in germanisch-bedächtiger Manier auf das Wesentliche konzentriert. Sprich die Geburt Jesu Christi, ein Ereignis, auf das man hierzulande in stiller Extase 24 Tage lang hinfiebert. Der einzige Exzess, zu dem es hierbei kommt, ist das sich alljährlich wiederholende, spätestens nach der 3. Adventsfeier Plätzchen-induzierte Fresskoma. Aber ein bisschen streng dosierter Hedonismus muss schließlich auch mal sein, n’est-ce pas? Less is more – versteht sich von selbst.

tannenbaum_zeit

Quelle: www.zeit.de

Soweit so besinnlich, so gut. Nee, eigentlich gar nicht. Jeder, der den Blick über den Tellerrand gewagt hat, stellt schnell fest: es geht in anderen Ländern auch anders, siehe . Es bedarf nicht ständig dieses aggressiven, auf Konfrontation ausgerichteten Gebarens, das in Deutschland leider tagtäglich gelebt wird. So werden banale Aktivitäten wie etwa der Einkauf im Supermarkt oder Pendeln im öffentlichen Nahverkehr zum ungewollten Spießrutenlauf, gilt hier doch der bekannte Darwin’sche Leitsatz – der Stärkere gewinnt! Ellbogen raus, Puls ordentlich ansteigen lassen, um das völlig unbekannte Gegenüber verbal mit dem Schlaghammer niederzumetzeln. Um in diesem Urwald-ähnlichen Umfeld zu überleben, wird das Gegenüber, vom Überlebenswillen getrieben, zur Verteidigung ausholen und – sofern möglich – versuchen, sein Gegenüber an Unflätigkeit zu überbieten. Gerade passend zum sogenannten Fest der Liebe zieht man seinem Gegenüber lieber mit dem Mistelzweig eins über anstatt darunter innigst zu kuscheln. Muss man nicht, kann man aber machen. Also vielleicht nicht gerade Intimitäten austauschen, aber sich in Nachsicht und Friedfertigkeit üben.

 

Less is more – auch im immer schneller drehenden Social Media-Karrussell wäre es nicht verkehrt, mal öfter innezuhalten und sich zu fragen – bereichert das Posten der hundertsten adrett drapierten Kaffeetasse/mit Badeschaum bedeckter (krummer) Fuß/Einchecken in irgendeine pseudo-hippe Location wirklich das Leben meiner Mitmenschen? Weniger ist in der Tat hier mehr – dies gilt auch für die nicht enden wollende Bilderflut auf Instagram, die mit der Darstellung privatester Momente permanent die Grenzen des guten Geschmacks um ein Vielfaches überschreiten. Less is more – here, there and everywhere.

 

Merry christmas, everyone! Spread the love <3

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.