Ein Stück vom Glück

 

Das mit dem November ist so eine Sache. Der eine ist bereits voll freudiger, spätkindlicher Erwartung auf das bevorstehende Weihnachtsfest und den hoffentlich einhergehenden Schnee- und Plätzchenmengen; der andere versinkt im grauen, tristen Alltagseinerlei und versucht, aufkeimendem Wehmut entweder mit retail therapy, deftiger Kost und/oder zu viel Alkohol Einhalt zu gebieten (…). Ich für meinen Teil bin nicht sonderlich wetterfühlig, aber dachte mir, ich könnte an so einem trüben Tag wie heute ein wenig Licht ins Dunkel bringen mit einem meiner Lieblingsgedichte von Hermann Hesse, den ich erst wirklich nach der Schulzeit zu schätzen lernte – warum haben einem Lehrer eigentlich so viele literarische Perlen verleidet? – aber: better late than never!

 

Here we go:

 

 

 

GLÜCK

 

Solang du nach dem Glücke jagst,

 

Bist Du nicht reif zum Glücklichsein,

 

Und wäre alles Liebste dein.

 

 

 

Solang du um Verlornes klagst

 

Und Ziele hast und rastlos bist,

 

Weißt du noch nicht, was Friede ist.

 

 

 

Erst wenn Du jedem Wunsch entsagst,

 

Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,

 

Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

 

 

 

Dann reicht dir des Geschehens Flut

 

Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.

 

 

 

(Hesse, Hermann: Über das Glück, Suhrkamp 2005)

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